The Last of Us

The Last of Us im Test – Joel und Ellies Reise durch die Apokalypse

Es gibt Spiele, die man spielt – und es gibt Spiele, die einen nicht mehr loslassen. The Last of Us von Naughty Dog gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Als das Spiel 2013 auf der PlayStation 3 erschien, setzte es neue Maßstäbe für Storytelling in Videospielen. Die Geschichte des verbitterten Schmugglers Joel und der jungen Ellie, die er durch ein von der Cordyceps-Infektion verwüstetes Amerika eskortieren muss, berührte Millionen von Spielern weltweit.

Zehn Jahre später liegt mit dem Part I-Remake für PlayStation 5 und PC die definitive Version vor. Doch lohnt sich der Kauf für alle, die bereits das Original oder das PS4-Remaster gespielt haben? Und wie schlägt sich das Remake im Vergleich zu seinen Vorgängern?

Die Geschichte: Zeitlos emotional

Der Ausbruch

Die Geschichte beginnt am Abend des Ausbruchs der Cordyceps-Infektion. Wir erleben die ersten chaotischen Stunden durch die Augen von Joel und seiner Tochter Sarah. Was als normaler Abend beginnt, endet in einer Tragödie, die Joel für die nächsten zwanzig Jahre prägen wird.

Dieser Prolog gehört zu den emotionalsten Eröffnungen der Videospielgeschichte. Innerhalb von zwanzig Minuten etabliert Naughty Dog eine Bindung zwischen Spieler und Charakteren, die das gesamte Spiel trägt. Wer hier nicht zumindest einen Kloß im Hals hat, sollte seinen Puls überprüfen.

Zwanzig Jahre später

Die Welt hat sich verändert. Die Menschheit lebt in Quarantänezonen unter militärischer Kontrolle, während draußen Infizierte und marodierende Gruppen lauern. Joel hat sich als Schmuggler in Boston durchgeschlagen – zusammen mit seiner Partnerin Tess.

Dann kommt der Auftrag, der alles verändert: Die Rebellengruppe Fireflies beauftragt Joel und Tess, ein 14-jähriges Mädchen namens Ellie aus der Quarantänezone zu schmuggeln. Der Grund? Ellie ist immun gegen die Infektion. Sie könnte der Schlüssel zu einem Heilmittel sein.

Die Reise

Was folgt, ist eine Reise quer durch die USA – von Boston über Pittsburgh und Wyoming bis nach Salt Lake City. Jeder Schauplatz erzählt seine eigene Geschichte vom Untergang der Zivilisation:

Ort Atmosphäre
Boston Quarantänezone unter Militärherrschaft
Lincoln Verlassene Kleinstadt, überwuchert von Natur
Pittsburgh Von Plünderern kontrollierte Ruinen
Wyoming Joels Bruder Tommy und seine Gemeinschaft
University of Eastern Colorado Verlassener Campus der Fireflies
Silver Lake Ellies traumatischer Winter
Salt Lake City Das Firefly-Krankenhaus und die finale Entscheidung

Joel und Ellie

Das Herzstück des Spiels ist die Beziehung zwischen Joel und Ellie. Zu Beginn ist Joel kühl und distanziert – verständlich nach dem Verlust seiner Tochter. Ellie ist vorlaut, neugierig und hat die Welt vor der Apokalypse nie kennengelernt.

Troy Baker als Joel und Ashley Johnson als Ellie liefern Performances ab, die in der Videospielgeschichte ihresgleichen suchen. Jede Nuance, jeder Blick, jede Pause im Dialog sitzt perfekt. Man vergisst schnell, dass man es mit virtuellen Charakteren zu tun hat.

Im Laufe der Reise entwickelt sich zwischen den beiden eine Vater-Tochter-Beziehung, die organisch und glaubwürdig wächst. Joel beginnt, in Ellie die Tochter zu sehen, die er verloren hat. Und genau das führt zu einer der kontroversesten Entscheidungen der Videospielgeschichte.

Das Ende

Ohne zu spoilern: Das Ende von The Last of Us ist kein Happy End im klassischen Sinne. Es ist moralisch ambivalent, emotional zerstörerisch und absolut brillant. Die finale Entscheidung, die Joel trifft, wurde jahrelang diskutiert – und wird es immer noch.

Neil Druckmann und sein Team haben es geschafft, ein Ende zu kreieren, das nicht jedem gefällt, aber niemanden kaltlässt. Genau das macht große Kunst aus.

Gameplay: Survival-Horror mit Tiefgang

Ressourcenmanagement

The Last of Us ist kein klassischer Shooter. Munition ist knapp, Heilmittel sind selten, und jede Begegnung erfordert taktisches Denken.

Das Crafting-System erlaubt die Herstellung von:

Item Funktion
Medkits Gesundheit wiederherstellen
Molotowcocktails Flächenschaden gegen Gruppen
Nagelbomben Sprengfallen für Hinterhalte
Rauchbomben Flucht und Ablenkung
Klingen Verstärkte Nahkampfwaffen

Die Materialien für diese Items sind dieselben – man muss ständig entscheiden, was man gerade am dringendsten braucht. Dieser Ressourcenkonflikt erzeugt konstante Spannung.

Die Infizierten

Die Cordyceps-Infektion hat verschiedene Stadien, die jeweils eigene Gegnertypen hervorbringen:

Runner: Frisch Infizierte, schnell und aggressiv, aber noch mit menschlichen Zügen.

Stalker: Ein Übergangsstadium, das sich versteckt und aus dem Hinterhalt angreift.

Clicker: Das ikonischste Infizierte. Die Pilzwucherungen haben ihre Augen überwuchert, weshalb sie sich per Echolokation orientieren. Ihr charakteristisches Klicken ist eines der unheimlichsten Geräusche der Gaming-Geschichte. Ein Biss bedeutet sofortiger Tod.

Bloater: Massiv, gepanzert durch Pilzwucherungen, wirft mit Sporenbomben. Ein Albtraum in engen Räumen.

Stealth oder Action

Das Spiel bietet für die meisten Situationen zwei Herangehensweisen:

Stealth: Sich an Gegnern vorbeischleichen, sie lautlos ausschalten, Ressourcen sparen. Der „Hörmodus“ (eine Art Radar, das Geräusche visualisiert) hilft dabei, Feinde zu orten.

Action: Offene Konfrontation mit Schusswaffen und Nahkampf. Effektiv, aber ressourcenintensiv und gefährlich.

Die beste Strategie liegt meist irgendwo dazwischen – einige Feinde ausschalten, andere umgehen, und bei Entdeckung improvisieren.

Menschliche Gegner

Nicht alle Gefahren sind infiziert. Plünderer, Banditen und andere Überlebende sind oft gefährlicher als die Infizierten. Sie kommunizieren, flankieren, und reagieren intelligent auf den Spieler.

Die Kämpfe gegen Menschen fühlen sich anders an als die gegen Infizierte – brutaler, persönlicher. Das ist beabsichtigt.

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Das Original (PlayStation 3, 2013)

Als The Last of Us am 14. Juni 2013 erschien, war es ein technisches Meisterwerk für die alternde PlayStation 3. Naughty Dog, bekannt für die Uncharted-Reihe, bewies erneut ihre Fähigkeit, das Maximum aus Sonys Hardware herauszuholen.

Technische Leistung

Die Grafik war für PS3-Verhältnisse beeindruckend:

  • Detaillierte Charaktermodelle
  • Atmosphärische Beleuchtung
  • Überzeugende Gesichtsanimationen
  • Flüssiges Gameplay trotz komplexer Umgebungen

Die Ladezeiten waren lang und die Auflösung niedrig (720p), aber das tat der Immersion keinen Abbruch. Das Spiel erhielt universelle Anerkennung und gewann über 200 „Game of the Year“-Auszeichnungen.

Left Behind DLC

Im Februar 2014 erschien der Story-DLC „Left Behind“, der Ellies Vorgeschichte mit ihrer besten Freundin Riley erzählt. Die emotionale Geschichte erweitert Ellies Charakter und erklärt, wie sie gebissen wurde. Ein Pflichtkauf für alle Fans.

Das Remaster (PlayStation 4, 2014)

Nur ein Jahr nach dem Original erschien The Last of Us Remastered für die PlayStation 4 – rechtzeitig zum Launch der neuen Konsole.

Verbesserungen

Aspekt PS3 Original PS4 Remaster
Auflösung 720p 1080p
Bildrate 30 fps 60 fps (optional)
Texturen Standard Hochauflösend
Schatten Begrenzt Verbessert
Left Behind Separater DLC Inklusive

Das Remaster war ein solides Upgrade, besonders die 60fps-Option machte einen spürbaren Unterschied beim Gameplay. Für PS4-Besitzer, die das Original verpasst hatten, war es die perfekte Gelegenheit.

Kritik

Allerdings war es eben „nur“ ein Remaster – keine grundlegende Überarbeitung. Animationen, KI und Gameplay blieben unverändert. Für 50 Euro ein fairer Deal, aber wer das Original bereits kannte, bekam primär eine schönere Version desselben Spiels.

Das Remake – Part I (PlayStation 5, 2022)

Am 2. September 2022 erschien The Last of Us Part I für PlayStation 5, später auch für PC. Und hier wird es interessant – denn dieses Remake ist weit mehr als nur ein weiteres Remaster.

Von Grund auf neu

Naughty Dog hat das Spiel mit der Engine von The Last of Us Part II komplett neu aufgebaut:

  • Neue Charaktermodelle: Joel, Ellie und alle anderen Figuren wurden von Grund auf neu modelliert. Die Gesichter sind jetzt nahezu fotorealistisch.
  • Überarbeitete Animationen: Gesichtsanimationen auf Part II-Niveau, subtilere Emotionen sichtbar.
  • Neue Beleuchtung: Komplett überarbeitetes Lichtsystem für dramatischere Atmosphäre.
  • Verbesserte KI: Gegner verhalten sich intelligenter, besonders die Infizierten.
  • DualSense-Integration: Haptisches Feedback und adaptive Trigger nutzen die PS5-Features.
  • 3D-Audio: Räumlicher Sound für noch intensivere Atmosphäre.

Die Grafik

Das Part I-Remake sieht atemberaubend aus. Die Unterschiede zum Remaster sind gewaltig:

Die Charaktere wirken lebensecht. Joel hat Falten, Narben, einzelne Barthaare. Ellies Augen spiegeln das Licht realistisch wider. Die Umgebungen sind detailreicher, die Vegetation dichter, die Ruinen verfallener.

Besonders die Lichteffekte beeindrucken. Wenn Sonnenstrahlen durch ein zerbrochenes Fenster fallen oder eine Taschenlampe durch eine dunkle Halle streift – das Remake erzeugt Bilder, die man sich rahmen könnte.

Was fehlt

Trotz aller Verbesserungen gibt es auch Kritik:

Kein neues Gameplay: Die grundlegenden Spielmechaniken wurden nicht von Part II übernommen. Kein Ausweichen, kein Kriechen durch Gras, keine erweiterten Crafting-Optionen. Das enttäuscht, denn die Möglichkeiten wären da gewesen.

Der Preis: Mit 80 Euro UVP war das Remake kein Schnäppchen. Für ein Spiel, das bereits zweimal veröffentlicht wurde, ein stolzer Preis – auch wenn die technische Arbeit beeindruckend ist.

Left Behind nur teilweise überarbeitet: Der DLC ist enthalten, wurde aber nicht im selben Umfang überarbeitet wie das Hauptspiel.

Performance

Auf PlayStation 5 läuft das Spiel wahlweise in:

  • Nativer 4K-Modus: 4K-Auflösung, 30-40 fps
  • Performance-Modus: Dynamische Auflösung, stabile 60 fps

Die Ladezeiten sind dank SSD praktisch nicht existent. Von der Menüauswahl bis zum Gameplay vergehen Sekunden.

PC-Version

Die PC-Version erschien im März 2023 und hatte anfangs mit technischen Problemen zu kämpfen – Abstürze, Shader-Kompilierung, Performance-Einbrüche. Mittlerweile wurden die meisten Probleme behoben, und auf entsprechender Hardware läuft das Spiel hervorragend.

Sound: Eine Klasse für sich

Soundtrack von Gustavo Santaolalla

Der Oscar-Preisträger Gustavo Santaolalla hat einen der eindringlichsten Soundtracks der Gaming-Geschichte geschaffen. Die melancholischen Gitarrenklänge des Hauptthemas sind sofort wiedererkennbar und setzen den emotionalen Ton des gesamten Spiels.

Besonders bewegend: Die Musik setzt oft erst ein, wenn man einen sicheren Moment erreicht – nach einem brutalen Kampf, nach einer emotionalen Cutscene. Diese Platzierung verstärkt die Wirkung enorm.

Sounddesign

Die Geräuschkulisse ist ebenso wichtig:

  • Das Klicken der Clicker, das sich durch Mark und Bein frisst
  • Das Knarzen alter Böden in verlassenen Häusern
  • Der prasselnde Regen auf verrosteten Autowracks
  • Die gedämpften Stimmen feindlicher Gruppen

Mit Kopfhörern wird The Last of Us zu einer noch intensiveren Erfahrung. Das 3D-Audio des Remakes nutzt die Tempest-Engine der PS5 voll aus.

Synchronisation

Die englische Originalfassung mit Troy Baker und Ashley Johnson ist herausragend. Die deutsche Synchronisation ist solide und fängt die Emotionen gut ein.

Für wen lohnt sich welche Version?

Neulinge

Wer The Last of Us noch nie gespielt hat: Kauft das Part I-Remake. Es ist die definitive Version des Spiels, technisch auf höchstem Niveau, und die beste Art, diese Geschichte zum ersten Mal zu erleben.

Remaster-Besitzer

Hier wird es schwieriger. Das Remake ist zweifellos besser – aber ist es 80 Euro besser? Das hängt davon ab, wie sehr einem grafische Verbesserungen wichtig sind. Das Gameplay ist identisch, die Geschichte dieselbe. Wer das Remaster kürzlich gespielt hat, kann warten, bis der Preis sinkt.

Original-Veteranen

Für diejenigen, die das Spiel seit der PS3 nicht mehr angefasst haben, ist das Remake eine fantastische Gelegenheit, die Geschichte mit frischen Augen zu erleben. Der grafische Sprung ist enorm, und die Geschichte hat nichts von ihrer Wirkung verloren.

Fazit

The Last of Us ist nicht einfach nur ein Spiel – es ist ein Meilenstein der Videospielgeschichte. Die Geschichte von Joel und Ellie hat Standards gesetzt, die bis heute gelten. Die Charaktere, die Atmosphäre, die emotionale Tiefe – alles kommt zusammen zu einem Erlebnis, das lange nachhallt.

Die verschiedenen Versionen

Das PS3-Original war ein technisches Wunder seiner Zeit und bewies, was in Videospielen möglich ist.

Das PS4-Remaster brachte die Geschichte auf die neue Konsolengeneration und machte sie einem breiteren Publikum zugänglich.

Das Part I-Remake ist die definitive Version – technisch makellos, visuell atemberaubend, auch wenn das Gameplay unangetastet blieb.

Was bleibt

Egal welche Version man spielt: Die Geschichte von Joel und Ellie bleibt dieselbe. Und diese Geschichte ist es, die The Last of Us zu einem Meisterwerk macht. Die Frage, wie weit man für die Menschen geht, die man liebt – und welchen Preis man dafür zahlt – ist zeitlos.

Wer The Last of Us noch nicht gespielt hat, sollte das nachholen. Und wer es bereits kennt, weiß genau, warum es einen eigenen Platz im Herzen hat.

Endure and survive.


Bewertung:

Version Bewertung
Part I Remake (PS5/PC) 9.5/10 ⭐⭐
PS4 Remaster 9/10 ⭐
PS3 Original 9/10 ⭐

Stärken:

  • Eine der besten Geschichten der Gaming-Geschichte
  • Joel und Ellie als unvergessliches Duo
  • Troy Baker und Ashley Johnson herausragend
  • Emotionaler Prolog
  • Moralisch ambivalentes Ende
  • Survival-Gameplay mit Tiefgang
  • Ressourcenmanagement erzeugt Spannung
  • Clicker als ikonische Gegner
  • Gustavo Santaolalla Soundtrack legendär
  • Sounddesign atmosphärisch perfekt
  • Remake visuell atemberaubend
  • DualSense-Integration gelungen (Remake)
  • 3D-Audio intensiv (Remake)
  • Praktisch keine Ladezeiten (Remake)
  • Left Behind DLC inklusive

Schwächen:

  • Remake-Gameplay nicht von Part II übernommen
  • Remake mit 80 Euro UVP teuer
  • PC-Version anfangs technisch problematisch
  • Left Behind im Remake weniger überarbeitet
  • Für manche zu linear
  • Multiplayer-Modus im Remake entfernt

Technische Daten:

Original (PS3):

  • Release: 14. Juni 2013
  • Auflösung: 720p
  • Bildrate: 30 fps

Remaster (PS4):

  • Release: 29. Juli 2014
  • Auflösung: 1080p
  • Bildrate: 30/60 fps

Part I Remake (PS5/PC):

  • Release: 2. September 2022 (PS5), 28. März 2023 (PC)
  • Auflösung: Bis 4K
  • Bildrate: 30-60 fps
  • Features: DualSense, 3D-Audio, Tempest Engine

Allgemein:

  • Entwickler: Naughty Dog
  • Publisher: Sony Interactive Entertainment
  • Genre: Action-Adventure / Survival-Horror
  • Director: Neil Druckmann, Bruce Straley
  • Soundtrack: Gustavo Santaolalla
  • Protagonisten: Joel (Troy Baker), Ellie (Ashley Johnson)
  • Spielzeit: ca. 15-20 Stunden
  • Altersfreigabe: USK 18

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