4A Games

4A Games: Das ukrainische Studio hinter der Metro-Reihe

Was ist 4A Games?

4A Games ist ein ukrainisch-maltesisches Videospiel-Entwicklerstudio, das heute vor allem für die Metro-Reihe bekannt ist — eine Serie atmosphärischer Ego-Shooter, die auf den Romanen von Dmitry Glukhovsky basiert. Das Studio wurde 2005 in Kiew gegründet, verlegte seinen Hauptsitz 2014 nach Malta und entwickelt bis heute unter dem Namen 4A Games die Metro-Videospielreihe weiter. Hinter dem Studio steckt eine Geschichte, die eng mit dem politischen Schicksal der Ukraine verknüpft ist.

Die Gründung: Abspaltung von GSC Game World

4A Games entstand aus einem Umfeld, das für östeuropäische Spieleentwicklung prägend war. Die Gründer — Andrew Prokhorov, Oles Shyshkovtsov und Alexander Maximchuk — kamen allesamt vom Kiewer Studio GSC Game World, wo sie am Entwicklerteam von S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl beteiligt waren, einem postapokalyptischen Ego-Shooter, der später selbst zum Kultspiel werden sollte. Zusammen mit Sergei Karmalsky bildeten sie den Kern des S.T.A.L.K.E.R.-Entwicklerteams.

Kurz vor der Veröffentlichung von S.T.A.L.K.E.R. trennten sich Shyshkovtsov und Maximchuk von GSC, um ein eigenes Studio zu gründen. Ihr Ziel war es, eine eigene Game Engine zu entwickeln und damit AAA-Spiele für High-End-PCs und die nächste Konsolengeneration zu produzieren. Das ukrainische Außenministerium registrierte die Eigentumsrechte an der sogenannten 4A Engine am 28. November 2006 — daher auch der Studioname.

Das Know-how aus der S.T.A.L.K.E.R.-Entwicklung floss direkt in die 4A Engine ein. Die thematische Nähe beider Franchises — postapokalyptisches Setting, osteuropäischer Schauplatz, dichte Atmosphäre — ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der gemeinsamen Herkunft der Teams.

Metro 2033: Der erste große Wurf (2010)

Das erste Projekt von 4A Games war gleichzeitig das ambitionierteste: eine Spielumsetzung von Dmitry Glukhovskys Roman Metro 2033. Das Studio startete mit etwa 20 Mitarbeitern in seiner Kiewer Niederlassung. Veröffentlicht wurde das Spiel über den US-Publisher THQ im März 2010 für PC und Xbox 360.

Metro 2033 fiel durch seine dichte, klaustrophobische Atmosphäre auf: sparsame Ressourcen, ein Moralitätssystem, das den Spielverlauf beeinflusst, und eine Welt, die sich trotz limitiertem Budget wie ein vollständig ausgearbeitetes Universum anfühlte. Das Spiel verkaufte sich gut genug, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen — und etablierte 4A Games als Studio mit einem unverwechselbaren Stil.

Metro: Last Light und der THQ-Kollaps (2013)

Die Entwicklung des zweiten Spiels, Metro: Last Light, verlief unter dramatischen Umständen. THQ, der Publisher beider Metro-Spiele, geriet 2012 in schwere finanzielle Schieflage und meldete im Dezember 2012 Insolvenz an. Bei der anschließenden Versteigerung der Firmenwerte erwarb der deutsche Publisher Koch Media — Betreiber des Labels Deep Silver — die Rechte an Metro: Last Light für 5,8 Millionen US-Dollar.

Das Spiel erschien schließlich im Mai 2013 unter Deep Silver und wurde zu einem kritischen Erfolg. Last Light verfeinerte das Spielgefühl des Vorgängers, führte Waffenmodifikationen ein und vertiefte das narrative Fundament der Reihe. Es gilt bis heute als einer der atmosphärisch stärksten Ego-Shooter seiner Generation.

Krieg, Schmuggelware und der Umzug nach Malta (2014)

Die Entwicklung von Metro Redux — den überarbeiteten Versionen beider Spiele für die neue Konsolengeneration — fiel mitten in die politische Krise der Ukraine 2014. Russland annektierte die Krim, in der Ostukraine brach ein bewaffneter Konflikt aus, und Kiew befand sich im Ausnahmezustand.

Unter diesen Bedingungen musste 4A Games die Konsolen-Entwicklungskits für PlayStation 4 und Xbox One buchstäblich ins Land schmuggeln. Producer Huw Beynon beschrieb in einem Interview, dass er eine PS4-Entwicklerplattform persönlich nach Kiew gebracht habe, um die Zahlung von Zehntausenden Euro Schmiergeldern zu umgehen. Das Xbox-One-Kit sei erst im Januar 2014 angekommen, als sich die Lage kurz beruhigt hatte.

Noch im selben Jahr zog Studiogründer Andrew Prokhorov mit über 50 Teammitgliedern und deren Familien nach Sliema auf Malta um und gründete dort den neuen Hauptsitz. Das verbliebene Kiewer Team arbeitete fortan als Subunternehmen weiter. Öffentlich betonten die Gründer, kein Verrat an der Ukraine zu begehen — der Umzug sei eine geschäftliche Notwendigkeit gewesen, da es in einer aktiven Konfliktzone kaum möglich war, internationale Investoren zu finden.

Metro Redux erschien 2014 für PC, PlayStation 4 und Xbox One und verkaufte sich bis April 2015 rund 1,5 Millionen Mal. Was bei einem Remaster im Vergleich zu einem Remake verändert wird, erklären wir in einem eigenen Artikel.

Arktika.1 und der Ausflug in VR (2017)

Im Oktober 2017 veröffentlichte 4A Games mit Arktika.1 einen Shooter exklusiv für die Oculus-Rift-VR-Brille — das erste und bisher einzige Nicht-Metro-Spiel des Studios. Das Spiel spielte in einer zukünftigen Eiszeit-Apokalypse und zeigte, dass 4A Games die 4A Engine auch außerhalb der Metro-Welt einsetzen konnte. Arktika.1 fand jedoch nur begrenztes Publikum, was unter anderem an der damals noch kleinen VR-Nutzerbasis lag.

Metro Exodus und die Übernahme durch Embracer (2019–2020)

Mit Metro Exodus lieferte 4A Games 2019 das bis dahin ambitionierteste Projekt der Reihe: semi-offene Spielkarten, eine Jahreszeitenstruktur über zwölf Monate, Raytracing-Unterstützung und eine enge Zusammenarbeit mit Glukhovsky an der Spielstory. Das Spiel wurde zum erfolgreichsten Titel der Reihe und hat bis 2024 über zehn Millionen Exemplare verkauft.

Im August 2020 erwarb die schwedische Embracer Group — genauer gesagt deren Tochtergesellschaft Saber Interactive — das Malta-Studio 4A Games. Embracer hielt zu diesem Zeitpunkt bereits den Publisher Deep Silver, der seit dem THQ-Konkurs die Metro-Rechte besaß. Damit befanden sich Entwickler, Publisher und IP erstmals unter einem Konzerndach.

Die Trennung: 4A Games Ukraine wird zu Reburn (2025)

Nach der Fertigstellung von Metro Exodus entwickelten sich das Malta-Studio und das Kiewer Team zunehmend auseinander. Die Kiewer Niederlassung arbeitete an einem eigenen Projekt — einem Sci-Fi-Shooter namens La Quimera, der in Lateinamerika spielt und nichts mit Metro zu tun hat. Im Februar 2025 gaben die Kiewer Entwickler bekannt, sich in Reburn umzubenennen, um Verwechslungen mit dem Maltesischen Studio zu vermeiden.

4A Games Malta klarstellte daraufhin öffentlich: Das Studio existiert weiter, hat denselben Kern aus Gründern und leitenden Entwicklern wie seit Beginn — und arbeitet gemeinsam mit Dmitry Glukhovsky an der nächsten Metro. Von den rund 200 Teammitgliedern von 4A Games sitzen etwa 150 in der Ukraine, viele davon in Kiew; einige entwickeln Spiele von der Front aus.

Metro 2039 und die Zukunft des Studios

Im April 2026 bestätigte 4A Games mit der Ankündigung von Metro 2039 die Fortsetzung der Hauptreihe. Beim Xbox Games Showcase im Juni 2026 wurde ein erster Gameplay-Trailer gezeigt. Das Spiel soll im Februar 2027 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC erscheinen und kehrt nach dem weiträumigen Exodus-Setting in die enger gefasste, intensive Atmosphäre der frühen Metro-Spiele zurück — mit neuem Protagonisten und einem dunkleren Ton, den 4A Games als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine beschreibt.

Neben Metro 2039 arbeitet das Studio eigenen Angaben nach an einem zweiten, noch nicht angekündigten Projekt.

Die 4A Engine: Das technische Herzstück

Ein wesentlicher Teil der Identität von 4A Games ist die hauseigene 4A Engine, die seit der Studiogründung kontinuierlich weiterentwickelt wird. Sie ist auf atmosphärische Beleuchtung, dichte Partikeleffekte und die Darstellung enger, detailreicher Umgebungen optimiert — Eigenschaften, die ideal zur Metro-Welt passen. Technische Meilensteine waren unter anderem die frühe Unterstützung von Tessellation, die Implementierung von Raytracing in Metro Exodus und die Enhanced Edition für Next-Gen-Konsolen 2021. Was Game Engines grundsätzlich leisten, erklären wir in einem eigenen Artikel.

Alle Spiele von 4A Games im Überblick

  • Metro 2033 (2010, PC / Xbox 360) — Erstveröffentlichung via THQ
  • Metro: Last Light (2013, PC / PS3 / Xbox 360) — via Deep Silver nach THQ-Insolvenz
  • Metro Redux (2014, PC / PS4 / Xbox One) — überarbeitete Fassungen beider Vorgänger
  • Arktika.1 (2017, Oculus Rift) — VR-Shooter, kein Metro-Bezug
  • Metro Exodus (2019, PC / PS4 / Xbox One; 2021 Enhanced Edition für PS5 / Xbox Series X/S)
  • Metro 2039 (angekündigt, geplant Februar 2027, PS5 / Xbox Series X/S / PC)

Häufige Fragen zu 4A Games

Wo hat 4A Games seinen Sitz?

4A Games hat seinen offiziellen Hauptsitz in Sliema, Malta. Zusätzlich betreibt das Studio ein Büro in Kiew, Ukraine. Von den rund 200 Mitarbeitern sind etwa 150 in der Ukraine tätig, darunter viele, die trotz des laufenden Krieges weiter an Metro 2039 arbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen 4A Games und Reburn?

Reburn ist das neue Kiew-Studio, das ursprünglich als ukrainische Niederlassung von 4A Games gegründet wurde. Nach der Fertigstellung von Metro Exodus arbeitete dieses Team an einem eigenen Projekt und benannte sich 2025 in Reburn um, um Verwechslungen zu vermeiden. 4A Games Malta — das Studio hinter allen Metro-Spielen — existiert unverändert weiter und entwickelt Metro 2039.

Wer besitzt 4A Games?

4A Games Malta gehört seit August 2020 zur Embracer Group, genauer zu deren Tochtergesellschaft Saber Interactive. Embracer hält auch den Publisher Deep Silver, der die Metro-Spiele verlegt. Das ehemalige Kiewer Team (heute Reburn) ist nicht Teil von Embracer.

Hat 4A Games Spiele außerhalb der Metro-Reihe entwickelt?

Ja — mit Arktika.1 (2017) entwickelte 4A Games einen VR-Ego-Shooter für Oculus Rift, der nichts mit Metro zu tun hat. Das Spiel spielte in einer postapokalyptischen Eiszeit-Zukunft und fand ein begrenztes Publikum. Außerdem arbeitet das Studio aktuell neben Metro 2039 an einem zweiten, noch nicht angekündigten Projekt.

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