Astral Chain

Astral Chain im Test: Mit Kette und Legion gegen die Chimären

PlatinumGames hat schon immer mit fantastisch skurrilen Spielen begeistert, allen voran mit der Bayonetta-Reihe. Mit Astral Chain will das Studio nun zeigen, dass neben Bayonetta und Co. noch jede Menge Kreativität übrig ist. Das Action-Adventure erscheint exklusiv für die Nintendo Switch und wird von Nintendo selbst veröffentlicht.

Regie führt Takahisa Taura, begleitet wurde das Projekt von Hideki Kamiya, dem Erfinder von Bayonetta und Devil May Cry. Seit dem 30. August 2019 ist Astral Chain erhältlich, und ich habe mich mit Neuron, Legion und Kette in den Einsatz gestürzt. Wie sich das actiongeladene Abenteuer schlägt, lest ihr in meinem Test.

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Story und Setting: Sondereinheit Neuron gegen die Chimären

Astral Chain spielt im Jahr 2078 in der Ark, einer multikulturellen Megacity auf einer künstlichen Insel. Dort öffnen sich plötzlich Tore in eine andere Dimension, aus denen gefährliche Kreaturen strömen: die Chimären. Sie greifen Menschen an, verseuchen die Stadt und lassen sich von der normalen Polizei nicht aufhalten.

Dafür gibt es Neuron, eine neu gegründete Sondereinheit der Ark-Polizei. Ihre Mitglieder kämpfen mit Legionen, gebändigten Astralwesen, die über eine Kette mit ihrem Träger verbunden sind. Nur die Besten der Besten sind in der Lage, diese Wesen zu kontrollieren.

Ich übernehme die Rolle eines Zwillings und entscheide zu Beginn, ob ich den Bruder oder die Schwester spiele. Das andere Geschwisterteil ist als jüngerer Zwilling ebenfalls bei Neuron und begleitet mich durch die Geschichte. Gemeinsam mit dem Team sollen wir die Chimären eindämmen und ihren Ursprung finden, doch bei den Ermittlungen zeigt sich schnell, dass das Problem viel tiefer liegt als erwartet.

Neuron-Ermittler mit Legion in Astral Chain
Der Einsatz von Legionen ist nur der Spezialeinheit Neuron vorbehalten

Kapitel und Missionen: Polizeiarbeit in Etappen

Nach typischer Action-Adventure-Manier ist Astral Chain in Kapitel unterteilt, in denen die Story spannend vorangetrieben wird. Neben der Hauptmission gibt es immer optionale Aufgaben. Nötig sind sie nicht, ich kann sie aber nur empfehlen, denn sie bringen Belohnungen und vertiefen die Geschichte.

Mein heimlicher Favorit ist eine Nebenmission, die sich durch das gesamte Spiel zieht: Ein Klogeist bittet mich immer wieder, ihm Toilettenpapier oder ähnlich nützliche Dinge zu besorgen. Im Kern läuft das stets auf Holen und Bringen hinaus, der Charme des kleinen Geists hat mich aber jedes Mal weitermachen lassen. Solche Momente zeigen, wie viel Humor und versteckte Gags in Astral Chain stecken.

Am Ende jedes Kapitels gibt es eine Zusammenfassung der erbrachten Leistungen, in der ich auch sehe, ob ich eine Aufgabe übersehen habe. Wer mit seiner Bewertung unzufrieden ist, kann das Kapitel wiederholen. In zehn Minuten ist dabei keines durchgespielt, an manchen sitze ich gut 45 Minuten, und gerade diese Länge lässt mich voll in die Polizeiarbeit eintauchen.

Kapitelbewertung am Ende eines Einsatzes in Astral Chain
Am Ende gibt es immer eine Bewertung

Ermittlungen: Spurensuche mit IRIS

Meist beginnen die Kapitel nicht mit Gegnerhorden, sondern mit echter Polizeiarbeit. Zuerst untersuche ich einen Tatort und entdecke dank meiner Neuron-Fähigkeiten Spuren, die der Bevölkerung verborgen bleiben. Mit der IRIS-Technologie rekonstruiere ich Tathergänge und markiere wichtige Hinweise, die automatisch im Logbuch landen.

Aufmerksam lesen lohnt sich, denn nach der Spurensuche muss ich beim Vorgesetzten antreten. Der will genau wissen, was passiert ist, und stellt Fragen, die ich möglichst präzise beantworten muss. Wie gut ich dabei abschneide, fließt in die Gesamtbewertung ein.

So spannend diese Detektivarbeit anfangs ist, so gleichförmig wird sie ab der Spielmitte. Dann arbeite ich im Grunde immer dasselbe Schema ab, und der Reiz der ersten Ermittlungen geht ein Stück weit verloren.

Tatort-Rekonstruktion mit der IRIS-Technologie in Astral Chain
Mit der IRIS-Technologie können vergangene Momente nachgestellt werden

Kampfsystem: Zwei Figuren, ein Controller

Sind die Ermittlungen abgeschlossen, geht es ins Getümmel. Mit IRIS verfolge ich Fußspuren oder Gerüche, die mich meist direkt zu ihren Verursachern führen, riesigen Astralwesen. Gegen die habe ich allein kaum eine Chance, denn erst im Zusammenspiel mit der Legion entfalte ich meine volle Stärke.

Unbegrenzt einsetzen lässt sich die Legion allerdings nicht. Sobald ich sie beschwöre, sinkt ein Energiebalken, und erreicht er null, braucht mein Partner eine Zwangspause. Dann bin ich auf mich allein gestellt und verteidige mich mit meiner Dienstwaffe, die als Schlagstock, Klinge oder Schusswaffe funktioniert, mit der Legion geht es aber deutlich leichter.

Das eigentliche Herzstück ist, dass ich die Legion selbst mit dem Stick steuere. Anders als in einem klassischen Hack-and-Slash lenke ich in hektischen Kämpfen also zwei Figuren gleichzeitig. Das war zu Beginn gewöhnungsbedürftig, doch ich habe mich erstaunlich schnell daran gewöhnt, und die Legion fühlte sich nie wie ein Klotz am Bein an.

Je nach Gegner setze ich sie gezielt ein. Stürmt ein Feind auf mich zu, schicke ich die Legion auf die andere Seite, sodass er direkt in die Kette läuft, kurz gelähmt ist und ich zuschlagen kann. Solche Kombinationen gibt es zuhauf, das Trefferfeedback ist großartig, und die taktischen Möglichkeiten sind enorm. Wer mag, kann die Joy-Cons übrigens aufteilen und die Legion von einer zweiten Person steuern lassen, dafür braucht es aber blindes Verständnis.

Kampf mit Legion in Astral Chain
Das wesentliche Feature sind die Legionen

Die Legionen: Fünf Helfer mit eigenen Talenten

Da die Legionen das zentrale Feature sind, bleibt es nicht bei einer. Fünf verschiedene Exemplare schalte ich im Laufe des Spiels frei, neben dem schwertschwingenden Astralwesen etwa einen faustschwingenden Koloss, ein hundeartiges Wesen und einen Bogenschützen. Jede Legion hat eigene Fähigkeiten, die auch abseits der Kämpfe zum Einsatz kommen.

So lassen sich schwere Mülltonnen nur mit dem Koloss verschieben, wodurch neue Abschnitte mit Schätzen oder zusätzlichen Missionen frei werden. Dazu kommen motivierende Rollenspielelemente, denn ich kann meine Legionen trainieren und mit neuen Fähigkeiten ausbauen. Es macht großen Spaß, die verschiedenen Helfer zu verbessern und ihre Stärken im Kampf auszuprobieren.

Verschiedene Legionen in Astral Chain
Unterschiedliche Legionen haben unterschiedliche Fähigkeiten

Präsentation und Technik: Neon, Anime und ein treibender Soundtrack

Ob im Handheld-Modus oder am Fernseher, Astral Chain läuft einwandfrei flüssig. Während meiner gesamten Spielzeit sind mir keine Slowdowns oder Ruckler aufgefallen. Der Anime-Look ist sehr gelungen, die ungewöhnliche Neon-Farbpalette verleiht der Ark eine ganz eigene Stimmung, und die Kampf- und Partikeleffekte sehen klasse aus.

Auch die Zwischensequenzen sind super-stylisch inszeniert, und das Neuron-Team wächst mir mit seinen sympathischen Figuren schnell ans Herz. Einziger Kritikpunkt bei der Präsentation sind die Bildschirmanzeigen, die in hektischen Kämpfen schnell überladen wirken.

Beim Sound spielt Astral Chain die volle Bandbreite aus. Der Soundtrack reicht von treibenden, rockigen Stücken in den Kämpfen bis zu ruhigen Momenten bei den Ermittlungen und begleitet das Geschehen jederzeit passend.

Kulisse der Megacity Ark in Astral Chain
Die Kulisse ist wunderschön gelungen

Umfang und Schwierigkeit: Viel zu tun für Einsteiger und Profis

Wer nur der Story folgt, ist nach rund 15 Stunden durch, mit den etlichen optionalen Missionen und den vielen versteckten Bereichen in der anderen Dimension dauert es deutlich länger. Nach dem Abspann warten zudem weitere Herausforderungen, die sich an fortgeschrittene Spieler richten.

Beim Schwierigkeitsgrad lässt mir Astral Chain die Wahl zwischen mehreren Stufen, von einsteigerfreundlich bis richtig fordernd. Ausführliche Tutorials führen nach und nach in die Mechaniken ein, und weil immer wieder neue Gegnertypen und Herausforderungen hinzukommen, bleibt das Spiel bis zum Schluss abwechslungsreich.

Fazit: PlatinumGames kann mehr als Bayonetta

Astral Chain ist der nächste gelungene Wurf von PlatinumGames. Die Steuerung der Legion war anfangs gewöhnungsbedürftig, hat sich im Spielverlauf aber als durchdacht, intuitiv und schlicht essenziell herausgestellt. Das Kampfsystem ist neuartig, die Präsentation stylisch, und mit fünf Legionen, zahlreichen Nebenmissionen und Endgame-Inhalten gibt es reichlich zu tun.

Die Geschichte rund um Neuron ist lange spannend, verliert sich zum Ende hin aber etwas und bedient ein paar Anime-Klischees zu viel. Der größte Wermutstropfen ist der Protagonist, der während des gesamten Spiels stumm bleibt, sodass ich keine echte Bindung zu ihm aufbauen konnte. Auch die Ermittlungen hätten in der zweiten Spielhälfte mehr Abwechslung vertragen.

Dank der unterschiedlichen Legionen macht es trotzdem Spaß, Kapitel zu wiederholen, neue Abschnitte freizuspielen und bessere Bewertungen zu holen. Wer Spiele wie Bayonetta mag, macht mit Astral Chain definitiv nichts falsch.

Gamefinity-Wertung

8,6 / 10

Pro Contra
Neuartiges Kampfsystem mit gleichzeitiger Steuerung von Figur und Legion Stummer Protagonist ohne echte Bindung
Fünf Legionen mit eigenen Fähigkeiten in Kampf und Erkundung Ermittlungen ab der Spielmitte nach Schema F
Spannende Ermittlungen mit der IRIS-Technologie Story verliert sich gegen Ende etwas
Großartiges Trefferfeedback und viele taktische Möglichkeiten Ein paar Anime-Klischees zu viel
Stylischer Anime-Look mit ungewöhnlicher Neon-Farbpalette Überladene Bildschirmanzeigen in hektischen Kämpfen
Treibender Soundtrack und starke Zwischensequenzen Legion-Steuerung anfangs gewöhnungsbedürftig
Sympathisches Team, viel Humor und versteckte Gags
Großer Umfang mit Nebenmissionen, Geheimbereichen und Endgame

Häufig gestellte Fragen zu Astral Chain

Wie lange dauert Astral Chain?

Für die Hauptgeschichte solltet ihr rund 15 Stunden einplanen. Wer die zahlreichen Nebenmissionen erledigt, versteckte Bereiche sucht und Kapitel für bessere Bewertungen wiederholt, ist deutlich länger beschäftigt.

Kann man Astral Chain zu zweit spielen?

Ja, mit Einschränkungen. Die Joy-Cons lassen sich aufteilen, sodass eine Person die Figur und die andere die Legion steuert. Weil beide eng zusammenarbeiten müssen, ist das allerdings eher eine Herausforderung als ein klassischer Koop-Modus.

Ist Astral Chain schwer?

Astral Chain bietet mehrere Schwierigkeitsgrade, von einsteigerfreundlich bis fordernd, und ausführliche Tutorials. Die gleichzeitige Steuerung von Figur und Legion ist anfangs ungewohnt, geht aber schnell in Fleisch und Blut über.

Wie viele Legionen gibt es in Astral Chain?

Im Laufe des Spiels schaltet ihr fünf Legionen frei. Jede hat eigene Fähigkeiten, die nicht nur im Kampf, sondern auch beim Erkunden der Level zum Einsatz kommen.

Hat Astral Chain etwas mit Bayonetta zu tun?

Nein, Astral Chain ist eine eigenständige neue Marke von PlatinumGames. Mit Hideki Kamiya hat aber der Erfinder von Bayonetta das Projekt begleitet, und Fans actionreicher PlatinumGames-Titel kommen voll auf ihre Kosten.

Für welche Plattformen ist Astral Chain erschienen?

Astral Chain ist seit dem 30. August 2019 exklusiv für Nintendo Switch erhältlich und lässt sich sowohl im Handheld-Modus als auch am Fernseher spielen.

Meta-Infos
Entwickler: PlatinumGames
Publisher: Nintendo
Plattform (getestet): Nintendo Switch
Genre: Action-Adventure
Spieler: 1 bis 2 (lokal)
Release: 30. August 2019

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