Call of Duty: Modern Warfare 2

Call of Duty: Modern Warfare II im Test: Task Force 141 ist zurück – aber nicht makellos

Es gibt Namen, die sofort Gewicht haben. Price. Soap. Ghost. Gaz. Wer mindestens einen der alten Modern-Warfare-Teile gespielt hat, spürt beim bloßen Lesen dieser Namen so etwas wie Erwartungsdruck – den wohlwollenden. Infinity Ward weiß das. Modern Warfare II (2022) trägt diese Namen wie eine Versicherungspolice: Task Force 141 kehrt zurück, die Welt gerät mal wieder aus den Fugen, und der Shooter liefert genau das, was man sich erhofft – manchmal aber eben auch nicht mehr.

Grenzen, Öl und Task Force 141 – Kampagne

Die Story beginnt im Nahen Osten, endet an der mexikanischen Grenze und nimmt unterwegs Umwege über Amsterdam, Spanien und Südamerika. Ein iranischer General namens Hassan Zyani hat amerikanische Raketen in die Hände einer Kartell-Allianz gebracht – Task Force 141 soll das rückgängig machen, bevor die Dinger auf US-Boden landen. Als Sequel zum 2019er Modern Warfare spinnt das Spiel die etablierten Threads weiter, ohne sie wirklich aufzulösen. General Shepherd taucht wieder auf, diesmal vage bedrohlich statt offen feindselig, und das Ende macht klar, dass hier bewusst auf Modern Warfare III verwiesen wird. Wer nach dem Abspann dranbleibt, sieht in einer Post-Credits-Szene bereits den Bösewicht, der in MW3 zur zentralen Bedrohung wird: Vladimir Makarov.

Was die Kampagne rettet, sind nicht die Zwischensequenzen, sondern die einzelnen Missionen. „Alone“ – eine Survival-Mission, in der Ghost ohne Ausrüstung durch ein feindliches Gebiet muss – ist einer der stärksten CoD-Einzelmissionen seit Jahren: sparsam, spannungsgeladen, mit einem echten Gefühl für Bedrohung. Eine Verfolgungsjagd durch ein US-Grenzstädtchen wirkt wie ein Sicario-Outtake, kinetisch und drückend zugleich. Die Charakter-Performances sind herausragend; die englische Vertonung der ikonischen Figuren ist auf Kinoniveau. Doch insgesamt bleibt die Story oberflächlich – zu viele Enden, zu wenig Substanz. Sechs Stunden, dann Abspann.

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Neue Regeln – Multiplayer

Der Multiplayer ist das Herzstück, und das Herzstück schlägt gut – aber nicht ohne Rhythmusstörungen. Das überarbeitete Gunsmith-System ist der deutlichste Fortschritt: Waffen teilen sich Aufsätze plattformübergreifend über mehrere Familien hinweg, was bedeutet, dass das Freischalten einer Aufsatz-Variante auf einer Waffe dieselbe Option an drei anderen öffnen kann. Das erzeugt eine Tiefe, die aufwendige Theorycrafting-Sitzungen lohnt und echte Spezialisierung belohnt.

Das Map-Design ist mutiger als zuletzt: Größere Karten, mehr Fahrzeugelemente, Wasserpassagen als taktische Variable. Invasion – ein 20v20-Modus mit KI-Feinden als Puffer – ist ein spaßiger Hybrid zwischen Multiplayer und Spec Ops. Das Gunplay selbst ist schlicht brilliant; Infinity Ward versteht Waffengefühl auf molekularer Ebene, und das Grundrauschen jedes Feuergefechts ist in MWII besonders sauber kalibriert.

Kritik verdient das neue Perk-System: Statt alle vier Perks von Spielbeginn an zu haben, werden sie im Match erst nach einer festgelegten Zeit freigeschaltet. Das mag nach Balancing klingen, fühlt sich in der Praxis aber wie künstliche Bremse an. Auch das Minimap-Design polarisiert: Ohne Unterdrücker erscheinen Gegner nicht mehr als rote Punkte, was konservativere Spielstile deutlich privilegiert. Zum Launch fehlten außerdem ein Combat-Record-System und ein Hardcore-Modus – beides Standardausstattung in früheren Teilen.

Spec Ops und Raids – der unterschätzte dritte Pfeiler

Spec Ops kehrt zurück, aber nicht als das, was Fans des 2009er Originals erwarten: Keine kurzen, dichten Zweispieler-Missionen mehr, sondern ausgedehnte Open-Zone-Einsätze auf der Al-Mazrah-Karte mit frei wählbaren Zielen. Das ist in sich stimmig und macht Spaß – es ist aber kein Spec Ops im klassischen Sinne, und wer das erhofft hatte, wird enttäuscht.

Die eigentliche Entdeckung sind die Raids: Dreispieler-Co-op-Missionen, die die Story der Kampagne unmittelbar fortführen, mit eigenem Rätsel- und Mechanikdesign, das nichts mit Standard-CoD zu tun hat. Wer drei Spieler zusammenbekommt, sollte sie auf keinen Fall überspringen – das ist das ambitionierteste co-operative Erlebnis, das die Serie je angeboten hat.

Technik & Performance

Visuell setzt Modern Warfare II auf PS5 einen neuen Serienmaßstab. Die Umgebungsdetails – ob urbanes Häusermeer oder staubige Wüstenstraße – überzeugen auch bei genauerem Hinsehen, und die Beleuchtungsmodelle sind einen deutlichen Schritt über dem Vorgänger. Das Sound-Design ist ohnehin unerreicht: Jede Waffe klingt wie ein eigenes Instrument, räumliches Audio ist essenziell für kompetitives Spiel, und der Score verstärkt die Dringlichkeit der Kampagne wirksam.

Die DualSense-Integration auf PS5 ist solide – Trigger-Widerstand variiert je nach Waffe und Aufsatz, was das Waffengefühl im direkten Vergleich zur Standardversion nochmals steigert. Performance-seitig liefen die Tests stabil; zum Launch waren kleinere Bugs im Split-Screen-Modus dokumentiert (Online-Matches nicht spielbar), die aber für Solospieler und Standard-Multiplayer keine Relevanz hatten.

Wichtig für die Einordnung: Modern Warfare II ist auch der Launchpunkt für Warzone 2.0, das zeitgleich erschienen ist und das kostenlose Battle-Royale-Ökosystem in die Al-Mazrah-Welt überträgt. Wer nur an Warzone interessiert ist, bekommt das separat – die Verbindung macht den Vollpreistitel für Saisonkäufer aber besonders attraktiv.

Fazit

Modern Warfare II (2022) ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes Spiel. Die Kampagne liefert starke Einzelmomente und ikonische Charakterarbeit bei schwacher Gesamtnarrative; der Multiplayer hat das beste Gunsmith-System der Serie und exzellentes Gunplay, schwächelt aber bei fehlenden Launch-Features und umstrittenen Systemänderungen; Spec Ops enttäuscht, Raids überraschen. Infinity Ward hat eine solide, manchmal glänzende Grundlage gebaut – und gleichzeitig an mehreren Stellen zu früh aufgehört.

Wer Call of Duty für seine Kampagnen liebt und sich an Price, Soap und Ghost nicht sattsehen kann, kommt hier auf seine Kosten. Wer primär Multiplayer spielt und aus dem Vorgänger gewohnt ist, was von Beginn an alles verfügbar war, wird in den ersten Wochen Lücken spüren. Als Gesamtpaket – und mit Warzone 2.0 im Rücken – ist das ein überzeugendes CoD-Jahr.

CALL OF DUTY: MODERN WARFARE II
Infinity Ward  ·  PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S
Release: 28. Oktober 2022
Getestet auf PS5 · Patch 1.04, Oktober 2022
7,8
von 10

✅  Stärken ❌  Schwächen
+ Kampagne mit starken Einzelmissionen und ikonischen Charakteren (Price, Ghost, Soap) – Multiplayer zum Launch ohne Combat Record, Hardcore-Modus und Blueprint-Speicherung
+ Überarbeitetes Gunsmith-System mit beeindruckender Waffentiefe – Perk-System mit Match-Freischaltung polarisiert und bremst frühe Runden spürbar
+ Unerreichtes Gunplay und Waffengefühl auf Serienbestniveau – Spec Ops enttäuscht Fans des Originals – kein klassisches Zweispieler-Format
+ Raids als unerwartetes Co-op-Highlight mit Story-Fortsetzung – Minimap-Änderungen (kein roter Punkt ohne Schalldämpfer) privilegieren passivstes Spielstil
+ Visuell und akustisch auf dem Niveau der besten Shooter des Jahres – Kampagne narrativ schwach; sechs Stunden Story mit offenem Ende zum nächsten Teil
+ DualSense-Integration auf PS5 verstärkt das Waffengefühl spürbar – Map-Design teils zu weitläufig; manche Modi wirken mit der Spielerzahl unterbevölkert
Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S
Getestete Version: PS5 – Patch 1.04, Stand Oktober 2022
UVP: 69,99 €
Für wen: Fans der Modern-Warfare-Linie, die starkes Gunplay und Kampagnen-Charaktere schätzen – auch wenn das Gesamtpaket zum Launch noch Lücken hat.
Offenlegung: Getestet auf Basis eines vom Publisher bereitgestellten Review-Codes.

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