Destiny 2

Destiny 2 im Test: Episch, gesellig und zum Start holprig

Update: Dieser Test beschreibt Destiny 2 zum Release im Herbst 2017. Seit Oktober 2019 ist das Grundspiel free-to-play. Mit der Erweiterung Beyond Light hat Bungie im November 2020 zahlreiche ältere Inhalte aus dem Spiel genommen, darunter die hier getestete Kampagne um die Rote Legion und den Leviathan-Raid.

Kaum ein Titel wurde 2017 so heiß erwartet wie Bungies Shooter Destiny 2. Seit dem 6. September ist der Nachfolger für PS4 und Xbox One erhältlich, die PC-Version folgt am 24. Oktober über Battle.net. Nach den ersten Wochen mit Story, PvP, Nightfalls und Raid ist es Zeit für eine Bilanz.

Wird der Nachfolger zum Start ebenso kritisch aufgenommen wie seinerzeit der erste Teil? Das kläre ich in diesem möglichst spoilerfreien Test, gespielt habe ich auf der PS4 Pro.

Story und Präsentation: Episch von der ersten Minute

Los geht es mit der gigantischen Schlacht um den Turm, die viele schon aus der Beta kennen. Zunächst gibt es ordentliche Waffen und genug Munition, um diesen Teil der Story erfolgreich abzuschließen, danach folgt eine von epischer Musik untermalte Einführung in die Hauptgeschichte. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, damit jeder selbst eintauchen kann.

Landschaft in Destiny 2

Das Adjektiv episch passt dabei an allen Stellen. Bungie zaubert wunderschöne Landschaften auf den Bildschirm, die von einem sehr guten Soundtrack begleitet werden. Der ist übrigens auch separat im Bungie Store erhältlich und bringt zwei exklusive Embleme mit.

Koop und Fortschritt: Gemeinsam statt einsam

Nach dem ersten sozialen Treffpunkt muss die Hauptstory noch ein wenig weitergespielt werden, bevor ihr euch gemeinsam mit Freunden in die Schlacht stürzen könnt. Sobald das möglich ist, weist eine nicht zu übersehende Meldung darauf hin. Ich habe die komplette Kampagne im Koop gespielt, und Clanmitglieder konnten jederzeit einsteigen, weil Gegner und Beute mitskalieren.

Genau das ist für mich das beste Feature von Destiny 2. Egal ob Stufe 5 oder 20, es lohnt sich immer, anderen Spielern oder dem Clan beim Leveln oder bei einzelnen Aufgaben zu helfen, weil die Belohnungen auf dem eigenen Powerlevel basieren. Richtig gelesen, das Lichtlevel aus dem ersten Teil heißt jetzt Powerlevel, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, schließlich kämpft man weiterhin für und um das Licht.

Hüter im Einsatz in Destiny 2

Während der Story kommt man immer wieder dazu, andere Aktivitäten zu absolvieren, sofern man sein Level nicht schon anderweitig erhöht hat. Dazu zählen der Schmelztiegel, Strikes, öffentliche Events oder einfach das Jagen besonders wertvoller Ziele, wie es sich für einen Looter-Shooter gehört. Mit dem Ende der Kampagne ist die Maximalstufe 20 erreicht, und wer noch darunter liegt, bekommt von Commander Zavala einen Schub auf Stufe 20.

Schmelztiegel: Viel Abwechslung im PvP

Ab diesem Punkt gibt es viele Möglichkeiten, seine Zeit sinnvoll zu verbringen und stetig Fortschritte zu machen. Wer das PvP im Schmelztiegel mag, tritt im Quickplay in verschiedenen Modi gegeneinander an, spielt Competitive-Matches oder wagt sich an den anspruchsvollsten Modus, Trials of the Nine. Letzterer setzt ein gut eingespieltes Fireteam voraus, hier tummeln sich in der Regel die besten PvP-Spieler.

Wie schon im ersten Teil sorgen mehrere Modi für Abwechslung. Im Clash jagen sich zwei Teams aus je vier Hütern gegenseitig, im Control-Match gilt es, bis zu drei Zonen einzunehmen und zu halten. Supremacy erweitert den Clash: Besiegte Gegner hinterlassen ein Wappen, das eingesammelt werden muss, und wer das Wappen eines gefallenen Teamkameraden aufsammelt, verhindert den Punkt für die Gegenseite.

PvP-Gefecht im Schmelztiegel von Destiny 2

Die Competitive-Runden bringen zusätzlich zwei Varianten mit, die es im Quickplay normalerweise nicht gibt. In Survival hat jedes Team acht Leben und muss die des Gegners durch Abschüsse aufbrauchen. Bei Countdown platzieren die Teams abwechselnd eine Sprengladung oder entschärfen sie, und wird ein Team komplett ausgeschaltet, endet die Runde vorzeitig.

Spielszene aus Destiny 2

Strikes, Nightfall und Raid: Knackige Herausforderungen

In Strikes spielt man anders als im ersten Teil keine bereits erlebten Story-Abschnitte nach, sondern Missionen, die die Hintergrundgeschichte erweitern. Dadurch wird die Story runder, was das Spielgefühl enorm aufwertet. Gleichzeitig sind schon die normalen Strikes deutlich knackiger als im Vorgänger.

Der wöchentliche Nightfall legt noch einmal eine Schippe drauf und lässt sich normal oder als Prestige-Variante spielen, mit Powerlevel-Vorgaben von 240 und 300. Bessere Beute gibt es in der Prestige-Fassung allerdings nicht, hier geht es wirklich nur um die Ehre. Durch Modifikatoren wie ein Zeitlimit ist der wöchentlich wechselnde Nightfall-Strike teilweise sogar schwerer als der Leviathan-Raid selbst.

Für den Raid braucht ihr ein Team aus sechs Spielern, und mit einem Powerlevel ab etwa 280 wird es deutlich angenehmer. Im Detail gehe ich darauf nicht ein, nur so viel: Es handelt sich um einen klassischen Raid, der eine durchdachte Gruppenzusammenstellung verlangt und zu einem großen Teil aus taktischen Gefechten und Geschicklichkeitspassagen besteht.

Strike-Mission in Destiny 2

Endgame und Ausrüstung: Grind mit System

Die Story ist zwar recht schnell durchgespielt, langweilig wird Destiny 2 danach aber nicht. Öffentliche Events, Patrouillen, kleine Geschichten auf jedem Planeten und zeitlich begrenzte Events ergänzen die bereits beschriebenen Modi. Ein gewisser Grind gehört allerdings dazu, und genau darauf baut das Live-Service-Modell, mit dem Bungie das Spiel über Jahre weiterentwickeln will.

Die Ausrüstung aus Waffen und Rüstungsteilen wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich angepasst und vereinfacht. Für eine Infusion lassen sich jetzt nur Teile desselben Typs verwenden, und das geopferte Teil muss eine höhere Basisstärke besitzen, Mods zählen dabei nicht mit. Über Mods lassen sich dafür zusätzliche Eigenschaften einbauen, die im Endgame unverzichtbar sind, etwa kürzere Nachladezeiten oder ein anderes Element.

Ausrüstung und Waffen in Destiny 2

Fürs normale Spielen solltet ihr eure Ausrüstung, idealerweise legendäre Teile, immer mit Mods versehen. So steigt das Powerlevel und mit ihm die Qualität der meisten Belohnungen, egal ob Engramme oder Fraktionsgeschenke. Gelegentlich hat sich Beute bei mir allerdings am Basiswert ohne Mods orientiert, ob das ein Fehler ist, ließ sich bisher nicht klären.

Clans und Companion-App: Schneller ans Ziel

Wer möglichst schnell aufsteigen und starke Ausrüstung bekommen möchte, sollte einem Clan beitreten. Es gibt wöchentlich hohe Belohnungen und Boni aus dem Clanlevel, das stetig steigt, solange die Mitglieder fleißig spielen. Wer keinen passenden Clan findet, wird in Community-Gruppen oder im offiziellen Bungie-Forum fündig.

Hüter-Team in Destiny 2

Abgerundet wird das Ganze durch die offizielle Destiny-App für iOS und Android. Wie schon im ersten Teil lassen sich dort Ausrüstung, Schiffe und Gleiter zwischen den Charakteren verschieben, außerdem kann ich meinen Clan verwalten und mit Freunden in Kontakt bleiben. Für alle halbwegs aktiven Spieler ist die App ein Muss.

Technik: Abstürze und Ladezeiten trüben den Start

Auf der PS4 Pro hatte ich immer wieder mit langen Ladezeiten samt schwarzem Bildschirm und sogar heftigen Hängern beim Verlassen einer Zone zu kämpfen. Mehrfach stand das Bild beim Zonenwechsel in voller Fahrt mit dem Gleiter einfach eine Minute lang still, während meine Mitspieler warten mussten.

An einem Wochenende ist das Spiel sogar ganze 14 Mal komplett abgestürzt, jedes Mal samt Fehlermeldung der Konsole und anschließendem Senden des Fehlerberichts. Mit diesen Problemen war ich im Clan nicht allein. Der jüngste Patch samt langer Wartungsarbeiten hat allerdings schon spürbar Besserung gebracht.

Fazit: Starker Nachfolger mit holprigem Start

Destiny 2 macht vieles richtig. Die Grafik ist super, Shader verpassen den Hütern coole neue Looks, und Sound wie Soundtrack bewegen sich auf höchstem, epischem Niveau. Dazu kommt ein schon zum Start angemessener Umfang mit abwechslungsreichem Schmelztiegel, knackigen Strikes und einem starken Raid.

Das größte Plus ist aber, dass jederzeit ein Freund einspringen und helfen kann, ohne dass jemand über- oder unterfordert ist. Punkte kosten die Abstürze und Ladeprobleme zum Start, die recht kurze Kampagne und der Grind auf dem Weg ins Endgame. Wer gern gemeinsam spielt, bekommt trotzdem einen der besten Koop-Shooter des Jahres.

Gamefinity-Wertung

8,5 / 10

Pro Contra
Epische Inszenierung mit herausragendem Soundtrack Abstürze, Hänger und lange Ladezeiten zum Start
Koop jederzeit möglich dank skalierender Gegner und Beute Kampagne recht schnell durchgespielt
Strikes erweitern die Story, statt sie zu wiederholen Spürbarer Grind auf dem Weg ins Endgame
Abwechslungsreicher Schmelztiegel mit vielen Modi Prestige-Nightfall ohne bessere Beute
Fordernde Nightfalls und starker Leviathan-Raid
Viele Aktivitäten nach der Kampagne und lohnendes Clan-System

Häufig gestellte Fragen zu Destiny 2

Kann man Destiny 2 im Koop spielen?

Ja. Nach einem kurzen Einstieg lässt sich die Kampagne gemeinsam spielen, und Clanmitglieder können jederzeit einsteigen, weil Gegner und Beute mitskalieren. Für den Leviathan-Raid braucht ihr ein Team aus sechs Spielern.

Wie hoch ist die Maximalstufe in Destiny 2?

Zum Release liegt die Maximalstufe bei 20. Danach steigt ihr über das Powerlevel eurer Ausrüstung weiter auf.

Welche PvP-Modi gibt es in Destiny 2?

Im Schmelztiegel gibt es Quickplay, Competitive und Trials of the Nine. Gespielt werden unter anderem Clash, Control, Supremacy sowie in Competitive die Varianten Survival und Countdown.

Was ist aus dem Lichtlevel geworden?

Das Lichtlevel aus dem ersten Teil heißt in Destiny 2 Powerlevel. Es ergibt sich aus der Stärke eurer Ausrüstung samt Mods und bestimmt die Qualität der meisten Belohnungen.

Wann ist Destiny 2 erschienen?

Destiny 2 erschien am 6. September 2017 für PS4 und Xbox One. Die PC-Version folgte am 24. Oktober 2017 über Battle.net.

Ist die Kampagne aus diesem Test heute noch spielbar?

Nein. Mit der Erweiterung Beyond Light hat Bungie im November 2020 unter anderem die Kampagne um die Rote Legion und den Leviathan-Raid aus dem Spiel genommen. Das Grundspiel ist seit Oktober 2019 free-to-play.

Meta-Infos
Entwickler: Bungie
Publisher: Activision
Plattform (getestet): PS4 Pro
Weitere Plattformen: Xbox One, PC (ab 24. Oktober 2017)
Genre: Online-Shooter
Release: 6. September 2017

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