Manche Stealth-Spiele geben euch ein Arsenal an Gadgets an die Hand. Ereban: Shadow Legacy gibt euch stattdessen euren eigenen Schatten als Waffe. Baby Robot Games schickt euch als Ayana, letzte Nachfahrin eines vergessenen Volkes, gegen den Energiekonzern Helios ins Feld – zwei Jahre nach dem PC-Release über Steam ist der Stealth-Platformer nun auch für PS5 erhältlich. Nach unserer Zeit mit einem bereitgestellten Review-Key auf der PS5 steht fest: Die Kernidee trägt das Spiel spielend – bei allem drumherum merkt man dem Debütstudio dagegen an, dass es sein erstes Spiel ist.
Ein sanfter Einstieg in eine harte Welt
Der Einstieg ist bewusst ruhig gehalten. Ein kurzes Intro-Video umreißt den Konflikt um Licht, Schatten und Energie, der die Welt von Ereban prägt, ohne euch mit Lore zu überfrachten. Kaum ist das Video vorbei, steht ihr auch schon mitten im Spiel: „Gehe zum Testraum“ lautet die erste Anweisung, und genau dort holt euch das Spiel ab, statt euch unvorbereitet ins Geschehen zu werfen. In kurzweiligen, gut dosierten Schritten führt der Testraum durch Steuerung, die Kernfähigkeiten sowie das Herstellen und Verbessern von Fähigkeiten und Ausrüstung. Ein knappes Kampftraining rundet die Einführung ab, bevor es tatsächlich losgeht.

Erzählerisch übernehmt ihr die Rolle von Ayana, letzte Nachfahrin des Volkes Ereban, das über besondere Kräfte verfügt. Der Energiekonzern Helios hat es genau auf diese Kräfte abgesehen – Ayana dreht den Spieß um und begibt sich auf die Suche nach ihrer eigenen Herkunft. Moralische Entscheidungen spielen dabei durchaus eine Rolle: Gegner lassen sich töten oder verschonen, was Einfluss auf euren eigenen Weg durch die Geschichte nimmt. Nur zünden Figuren und Dialoge dabei nicht ganz so, wie man es sich wünschen würde – die Prämisse ist interessant, emotional bleibt sie aber eher an der Oberfläche, und vor allem Nebenfiguren bleiben über weite Strecken funktional statt greifbar.
Schattenverschmelzung als Herzstück: Wie sich Ereban spielt
Spielerisch dreht sich alles um die „Shadow Merge“-Fähigkeit: Ayana kann buchstäblich in Schatten eintauchen, an Wänden entlanggleiten und sich durch schmale Spalten bewegen. Der Vergleich zu Aragami liegt durch die Third-Person-Perspektive und die Schattenmechanik nahe, doch Ereban gibt euch spürbar mehr Bewegungsfreiheit, verzeiht Fehler großzügiger und lässt euch dank sehr kurzer Cooldowns auf eure wichtigste Fähigkeit nahezu ständig im Fluss bleiben. In den großen, offen gestalteten Hub-Leveln schleicht ihr an Roboter-Patrouillen mit auffälligen Leuchtlampen vorbei, die sich per Hinterhalt-Hieb oder Sprungangriff von oben zügig ausschalten lassen – werdet ihr entdeckt, folgt meist der Sofort-Tod, doch die vertikale Levelstruktur bietet genug Ausweichmöglichkeiten, um Verfolgern zu entkommen.

Optionale Areale locken zusätzlich mit Schattenkugeln und Ressourcen, mit denen sich neue Fähigkeiten wie Blend- oder Betäubungswerkzeuge freischalten und herstellen lassen – spielerisch angenehmes Beiwerk, das aber, da sich Wachen schon durch einen simplen Alarm leicht ablenken und von ihrem Posten weglocken lassen, in erster Linie für ambitionierte High-Score-Jäger relevant wird. Insgesamt bleibt Ereban dadurch ein eher einsteigerfreundliches Schleichabenteuer.
Nicht ganz so rund zeigt sich das Spiel bei der Steuerungspräzision, vor allem bei schnellen Bewegungen und beim Wechsel zwischen Schatten und normaler Welt, sowie bei der Gegner-KI, die zwischen glaubwürdigem Verhalten und fragwürdiger Entdeckung aus merkwürdigen Winkeln schwankt. Mit rund 5 bis 12 Stunden fällt zudem die Spielzeit vergleichsweise kompakt aus – wer die Nebenpfade und optionalen Areale mitnimmt, landet eher am oberen Ende dieser Spanne.
Optik und Präsentation: Schlicht, aber hochwertig
Optisch tritt Ereban: Shadow Legacy bewusst schlicht auf, wirkt dabei aber keineswegs billig. Der cel-shadierte Artstyle sorgt vor allem dafür, dass sich Licht und Schatten – die zentrale Spielmechanik – jederzeit klar lesen lassen, wobei einzelne Areale etwas leer und farblich eintönig ausfallen. Wichtiger noch: Die gesamte Präsentation zieht sich stimmig durch das ganze Spiel. Vom Logo über die Menüs bis zum HUD und der Bedienung wirkt hier nichts wie ein Nachgedanke, sondern durchgehend hochwertig verarbeitet – für ein Debütstudio keine Selbstverständlichkeit.
Technik und Sprachausgabe: Solide Unity-Basis ohne deutsche Stimmen
Technisch setzt Baby Robot Games auf die Unity-Engine. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, dafür aber deutsche Texte – wer auf Untertitel ausweichen muss, wird zumindest sprachlich nicht im Regen stehen gelassen. Die englische Synchronisation selbst ist ordentlich gelungen, auch wenn internationale Tester gerade Ayanas Dialoge in den frühen Kapiteln teils als hölzern empfanden. Bei der Bildrate zeigen sich in externen Tests je nach Areal Schwankungen; wer sich vorab genauer informieren möchte, findet in unserem Erklärartikel zu Frame Rate und FPS Hintergründe dazu, worauf es bei stabiler Performance ankommt.
Was sagt die Kritik?
Kritikerseitig bewegt sich Ereban: Shadow Legacy im Mittelfeld: Metacritic listet einen Score von 69, OpenCritic vergibt ein „Fair“-Rating bei 72 Punkten. Die PS5-Fassung selbst schneidet in Einzelkritiken teils sogar etwas besser ab als der ursprüngliche PC-Release – gelobt werden vor allem Traversal-Gefühl, Leveldesign und die durchdachte Nutzung der DualSense-Features (Vibration, adaptive Trigger), während vereinzelt von Framerate-Einbrüchen in größeren frühen Arealen und gelegentlicher Eingabe-Trägheit beim Klettern berichtet wird. Durch die Bank gelobt wird zudem, wie konsequent die Schattenverschmelzung nicht nur als Mechanik, sondern als durchgängiges gestalterisches Prinzip funktioniert: Licht steht für Kontrolle und Überwachung, Schatten für Bewegungsfreiheit und Widerstand – eine Idee, die sich sichtbar durch Steuerung, Leveldesign und Optik zieht.
Fazit
Ereban: Shadow Legacy ist ein Debüt, dem man sein Herzblut in jeder Bewegung ansieht. Die Shadow-Merge-Mechanik trägt das gesamte Spiel und macht auch nach Stunden noch Spaß, weil sie so konsequent in Leveldesign, Präsentation und Spielgefühl eingearbeitet ist. Wo Baby Robot Games als Erstlingsstudio an Grenzen stößt, ist bei allem drumherum: Die Steuerung patzt gelegentlich in hitzigen Momenten, die Gegner-KI verhält sich nicht immer nachvollziehbar, und Story wie Nebenfiguren bleiben trotz interessanter Ausgangslage eher an der Oberfläche. Mit 5 bis 12 Stunden ist der Umfang zudem überschaubar. Wer aber auf ein fokussiertes, stilistisch eigenständiges Schleichabenteuer mit einer wirklich cleveren Kernidee steht und über kleinere Ecken und Kanten hinwegsehen kann, bekommt auf der PS5 eine solide, technisch angemessen umgesetzte Konsolenfassung eines Spiels, das mehr kann als die reine Kritikerdurchschnittsnote vermuten lässt.
| ✅ Stärken | ❌ Schwächen |
|---|---|
| + Kreative, durchdachte Shadow-Merge-Mechanik | – Story und Nebenfiguren bleiben oberflächlich |
| + Hochwertige, stimmige Präsentation (Menüs, HUD, Optik) | – Gelegentlich unpräzise Steuerung in hitzigen Momenten |
| + Hohe spielerische Freiheit dank mehrerer Lösungswege | – Schwankende Gegner-KI |
| + Gelungenes, einsteigerfreundliches Tutorial | – Vergleichsweise kurze Spielzeit (5–12 Std.) |
| + Deutsche Texte vorhanden | – Keine deutsche Sprachausgabe |
Getestete Version: PS5
UVP: ca. 20 €
Für wen: Für Fans fokussierter, stilistisch eigenständiger Stealth-Spiele mit einer wirklich cleveren Kernmechanik – wer viel Umfang und eine tief ausgearbeitete Story erwartet, wird eher enttäuscht.
Offenlegung: Getestet auf Basis eines vom Publisher bereitgestellten Review-Keys, ohne Einfluss auf unsere Wertung.
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