Schon sehr lange, genauer gesagt seit 1981, existiert die Wolfenstein-Reihe. In den Neunzigern etablierte Wolfenstein 3D neben Genrevertretern wie Quake, Doom oder Duke Nukem das 3D-Ego-Shooter-Genre in den heimischen Wohn- und Kinderzimmern. 2014 wurde das Franchise mit The New Order rebootet, und nach The Old Blood und The New Colossus ist am 26. Juli 2019 der neueste Ableger Wolfenstein: Youngblood von Bethesda, MachineGames und Arkane Studios erschienen.
Diesmal steuere ich nicht wie gewohnt B.J. Blazkowicz, sondern eine seiner beiden Zwillingstöchter Jess und Soph. Wie sich das Koop-Spin-off, das auch für PC und Xbox One erschienen ist, auf der PS4 Pro macht, klärt dieser Test.

Story: Auf der Suche nach B.J.
In den frühen Achtzigerjahren verschwindet B.J. Blazkowicz nach einer Mission spurlos aus dem von Nazis, beziehungsweise dem Regime, besetzten Paris. Seine Frau Anya ruft ihre alte Freundin Grace zu Hilfe, die inzwischen die Chefin des FBI ist. Aber auch sie hat keine Spur zu B.J.
Also schnappen sich die wilden Schwestern Jess und Soph zusammen mit Graces Tochter Abby kurzerhand den FBI-Hubschrauber, um sich selbst auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater zu machen. So kurz, so gut.

Gameplay: Koop mit Stealth-Option
Youngblood ist komplett auf Koop ausgelegt. Keine Angst: Auch allein lässt sich die Kampagne durchspielen, dann unterstützt mich allerdings eine KI-Schwester, die sich nicht gerade schlau anstellt. Dazu später mehr. Zu Beginn wähle ich eine der beiden Schwestern aus, auf den Spielablauf hat die Wahl aber keine Auswirkungen.
Prompt finde ich mich im Auftrag der französischen Resistance auf einem feindlichen Zeppelin wieder und soll dort einen hochrangigen deutschen General zur Strecke bringen. Und sofort ist alles wieder wie in den Vorgängern: schnelle Action, viele Gegner, Unmengen an Blut, alles wie immer.
Natürlich kann ich mich auch anschleichen und Gegner von hinten mit dem Messer oder der Axt meucheln. Nützlich ist dabei die neue Stealth-Option der aus den Vorgängern bekannten Rüstung, die mich für eine bestimmte Zeit unsichtbar werden lässt. Gerade wenn in den höheren Schwierigkeitsgraden mal wieder die Munition ausgeht, sichert diese Option das Fortkommen. Wie in den Vorgängern gibt es in jedem Levelabschnitt Kommandanten, die ich so bald wie möglich ausschalten sollte, weil sie sonst Alarm auslösen und immer wieder Verstärkung anfordern.

Neu ist die Möglichkeit, mich und meine Schwester per Geste zu heilen oder die Rüstung zu verstärken. Außerdem gibt es Gegner, die mit bestimmten Waffen effektiver zu töten sind, was im Lebensbalken mit entsprechender Symbolik angezeigt wird, sodass ich meine Waffe passend wählen kann. Das verleiht dem Gameplay eine kleine taktische Komponente.
Geht eine der beiden Schwestern im Kampf zu Boden, kann die andere sie innerhalb eines gewissen Zeitfensters zurückholen. Möglich macht das die Funktion „Geteiltes Leben“, die bis zu dreimal nutzbar ist, je nachdem, wie viele Herzen aufgeladen sind. Sind alle verbraucht, heißt es Game Over, und ich beginne wieder am Levelanfang.

Basis und Fortschritt: Aufrüsten in den Katakomben
Wie in den Vorgängern gibt es eine Basis der Untergrundbewegung, diesmal in den Katakomben von Paris. Von dort starte ich meine Missionen und Nebenmissionen, fülle Munition auf, führe mehr oder weniger sinnvolle Gespräche oder spiele an den wieder vorhandenen Automaten das gute alte Wolfenstein 3D.
Auch während der Hauptmissionen lassen sich immer wieder kleine Neben-Quests erledigen, hier mal eine Wanze setzen, dort Gefangene befreien. Aufgaben gibt es genügend. Für die gesammelten Punkte und Münzen steige ich mit meinem Charakter im Rang auf und kann zum Beispiel die Rüstung aufmotzen oder mehr Gesundheit und Rüstung freischalten. Auch die Waffen dürfen umfangreich verbessert werden.
Einen Ingame-Shop bietet das Spiel ebenfalls: Gegen Echtgeld lassen sich Goldbarren kaufen und mit ausschließlich kosmetischen Items eindecken, mehr dazu im Überblick zur Monetarisierung in Spielen.

Technik, KI und Koop: Gemeinsam macht es mehr Spaß
Youngblood spielt in der französischen Hauptstadt Paris, die grafisch schön anzusehen ist. Etwas befremdlich wirkt allerdings, dass außer den Regime-Soldaten keine Menschenseele auf den Straßen der Metropole zu sehen ist. Soundtechnisch knallt und kracht es herrlich, die Knarren haben genau den richtigen Wumms.
Und dann war da noch die KI. Weil man der virtuellen Schwester keine Kommandos geben kann, gestaltet sich das Zusammenspiel schwierig, und taktische Spielzüge wie das Flankieren von Gegnern fallen weg. Meistens stellte sie mich zwar rechtzeitig wieder auf, wenn ich zu Boden ging, ein paar Mal ließ sie mich aber trotz Hilferufen verbluten. Das kann einem freilich auch mit Online-Mitspielern passieren, vor allem, wenn jemand partout sein Headset nicht benutzen will.
Am sinnvollsten und spaßigsten ist es, die Kampagne mit einem Freund zu spielen. Wer die Deluxe Edition besitzt, kann einen Freund einladen, der nach dem Download der Demo die komplette Kampagne ohne zusätzliche Kosten mitspielen darf. Hier spielt Youngblood seine ganze Stärke aus: Gemeinsam den Naz… Entschuldigung, dem Regime in den Hintern zu treten, macht einen Heidenspaß.
Zwei deutsche Fassungen: Mit oder ohne Hakenkreuze
Mit Youngblood sind erstmals zwei Versionen für deutsche Spieler erschienen: eine deutsch synchronisierte, von Nazi-Symbolik befreite Fassung und eine Fassung mit Hakenkreuzen, die dafür ohne deutsche Sprachausgabe auskommt. Hintergründe dazu liefert der Artikel zur Indizierung in Deutschland.
Spielerisch unterscheiden sich die beiden Versionen nicht und bieten Spaß für gut zehn Stunden oder mehr.

Fazit: Hirn abschalten und Wolfenstein einschalten
Hirn abschalten und Wolfenstein einschalten, das war für mich schon immer die Devise bei Wolfenstein-Titeln, und erfreulicherweise gilt das auch für das Spin-off Youngblood. Spieltiefe brauche ich hier nicht, eine tiefgründige Story ebenso wenig. Kein Quantensprung in Sachen Technik, aber dem Vorgänger ebenbürtig, bietet der Ego-Shooter genau das, was man erwartet: Knarren, fliegende Körperteile, tote Nazis, herrlich!
Punkte kosten die schwache KI-Schwester, das menschenleere Paris und der Umstand, dass das Spiel allein deutlich weniger Spaß macht als im Koop. Wer einen Freund an Bord hat, bekommt trotzdem knackige Action für gut zehn Stunden.
Gamefinity-Wertung
7,5 / 10
| Pro | Contra |
|---|---|
| Schnelle, blutige Action wie in den Vorgängern | KI-Schwester stellt sich nicht besonders schlau an |
| Koop macht mit Freund einen Heidenspaß | Keine Kommandos an die KI, taktisches Flankieren entfällt |
| Freund spielt mit Deluxe Edition und Demo kostenlos mit | Paris wirkt menschenleer |
| Stealth-Option der Rüstung und Gesten zum Heilen | Kein Technik-Fortschritt gegenüber dem Vorgänger |
| Waffen-Upgrades und Rangaufstieg motivieren | Solo deutlich weniger spaßig als im Koop |
| Satter Sound, die Knarren haben Wumms |
Häufig gestellte Fragen zu Wolfenstein: Youngblood
Kann man Wolfenstein: Youngblood allein spielen?
Ja, die Kampagne lässt sich auch solo durchspielen. Dann unterstützt eine KI-Schwester, der man allerdings keine Kommandos geben kann und die sich nicht besonders schlau anstellt.
Wen steuert man in Wolfenstein: Youngblood?
Man spielt nicht B.J. Blazkowicz, sondern eine seiner Zwillingstöchter Jess oder Soph. Auf den Spielablauf hat die Wahl keine Auswirkungen.
Wie lang ist Wolfenstein: Youngblood?
Die Kampagne dauert gut zehn Stunden oder mehr, je nachdem, wie viele Neben-Quests man erledigt.
Kann man Wolfenstein: Youngblood mit einem Freund spielen, der das Spiel nicht besitzt?
Ja, mit der Deluxe Edition. Ein eingeladener Freund kann nach dem Download der Demo die komplette Kampagne ohne zusätzliche Kosten mitspielen.
Gibt es Wolfenstein: Youngblood mit Hakenkreuzen in Deutschland?
Ja, es erschienen zwei Fassungen: eine deutsch synchronisierte ohne Nazi-Symbolik und eine mit Hakenkreuzen, die keine deutsche Sprachausgabe hat. Spielerisch unterscheiden sie sich nicht.
Wann ist Wolfenstein: Youngblood erschienen?
Der Koop-Ableger erschien am 26. Juli 2019 für PS4, Xbox One und PC. Entwickelt wurde er von MachineGames und Arkane Studios, Publisher ist Bethesda.
Meta-Infos
Entwickler: MachineGames und Arkane Studios
Publisher: Bethesda Softworks
Plattform (getestet): PS4 Pro
Weitere Plattformen: Xbox One, PC
Genre: Ego-Shooter (Koop)
Release: 26. Juli 2019


